Im März 2016 war es dann soweit, wir konnten das Schiff in drei Etappen mit drei verschiedenen Crews ins Mittelmeer bringen. Die erste Crew brachte es von Rostock nach Brest, die zweite Crew, an der ich beteiligt war, brachte das Schiff von Brest durch die Biskaya nach Malaga. Dort übernahm die dritte  Gruppe und brachte das Schiff nach Licata an der sizilianischen Südküste. 

 

Die Überführung des Schiffes von Brest nach Malaga war ein Erlebnis, dass ich nie wieder vergessen werde. Ich bin ja nun ein ziemlich geprüfter und hart gesottener Hochseesegler – aber so etwas hatte auch ich noch nicht annähernd erlebt. Wir hatten in der Biskaya, einem der gefürchteten Seegebiete der Welt, Sturm mit Windstärke 10 Bft. 

 

Die Mannschaft und das Schiff waren aufs Äußerste gefordert und das nicht nur seemännisch. Wir haben in den zehn Tagen alle mindestens vier Kilo abgenommen. An normales Essen und Trinken war nicht zu denken, man bekam nur Wasser aus der Flasche zu trinken, mal einen Apfel und mal ein paar Kekse zu essen. Schon am dritten Tag schlug ein schweres Stahlschott zu, unglücklicherweise hatte ich meine linke Hand in der Zarge, um mich festzuhalten. Das bedeutete eine schmerzhafte drittgradig offene Fraktur meines linken Daumens, die ich in den folgen Tagen auch nicht annähernd fachmännisch versorgen konnte, sie blieb einfach unversorgt. 

 

 Diese Unternehmung war für mich, und ich glaube auch für alle anderen, eine Erfahrung, die uns an die Grenze unserer Belastbarkeit gebracht hat. Umso glücklicher und stolzer waren wir, als wir dann nach der Passage von Gibraltar in ruhigeres Wasser kamen und bei wunderschöner Abendsonne wohlbehalten in Malaga anlegen konnten. Der Daumen war übrigens erst in Malaga ein bisschen versorgt, nach etwa 12 Monaten eigentlich wieder ziemlich in Ordnung. In Licata auf Sizilien angekommen, wurde das Schiff jetzt differenziert für den Rettungseinsatz vorbereitet.