2017 haben wir ein Schwesterschiff der Sea-Eye, die Seefuchs erworben und umgebaut. Der Umbau war im Gegensatz zu Sea-Eye nicht nur durch uns selbst, sondern auch durch professionelle Helfer relativ rasch möglich. Die Seefuchs ist dann wie die Sea-Eye auf vielen Missionen gewesen, beide Schiffe haben zusammen über 14.500 Leben gerettet.

 

Am Ende des Jahres 2017, dann sehr viel drastischer 2018 kam der große politische und auch publizistische Umschwung. Erkennbar war eine deutliche Rechtsbewegung zu populistischen Regierungen und die Furcht der anderen, politisches Gewicht zu verlieren. Im Laufe des Jahres wurden alle NGOs mit fadenscheinigen und durchsichtigen Argumenten aus dem Verkehr gezogen. Wir alle hatten den langen Arm des italienischen Innenministers Salvini unterschätzt, Unseren beiden Schiffen wurde die holländischer Flagge entzogen, die Argumente waren nicht nachzuvollziehen, aber die Wirkung war verheerend. Sogar die Aquarius, die von so bedeutenden Organisationen wie SOS Mediterrane und Ärzte ohne Grenzen betrieben wurde verlor ihre Panama Flagge und konnte nicht mehr eingesetzt werden.

 

Ich war zu dieser Zeit Vorstandsvorsitzender von Sea-Eye, die Entscheidungen für die Zukunft ist uns ausgesprochen schwer gefallen. Nach Rücksprache und Plazet durch die wesentlichen Spender haben wir uns dann entschlossen, ein größeres Schiff anzuschaffen, es unter deutscher Flagge laufen zu lassen und damit möglicherweise einsatzfähig zu bekommen. Die Entscheidung dazu war im Vorstand nicht unstrittig, ich war im Prinzip dagegen, habe mich aber aus Loyalität meinen beiden Vorstandskollegen gegenüber entschlossen, das mit zu verantworten.

 

Das Schiff, die Professor Penck wurde für sehr viel Geld erworben, sehr aufwendig für den Rettungseinsatz umgebaut und es mussten schwierigste Hürden überwunden werden, um die deutsche Flagge zu bekommen. Das war aber eine Conditio sine qua non für einen einigermaßen ungefährdeten Einsatz vor der libyschen Küste. Der Charakter unserer Aktion hatte sich damit dramatisch verändert, wir brauchten eine professionelle Crew, sehr, sehr viel Geld und eine geringere Eigenbeteiligung als das früher und vorher üblich war.

 

Da ich persönlich sehr skeptisch war über die Erfolgsaussichten des großen und teuren Schiffes, aber auch über die Verwendung der Spenden, habe ich persönlich neben Sea-Eye einen zweiten persönlichen Weg begangen über den ich im Folgenden berichte..

 

Ichhabe ein großes Segelschiff gesucht und mit Unterstützung vieler aus dem Verein schließlich einen Zwei Mastschoner bei Barcelona gefunden. Ich habe das Schiff dann für sehr wenig Geld für den Verein erworben und es in den Folgemonaten mit der tatkräftigen und ehrenamtlichen Unterstützung von vielen Menschen in einen auslauffähigen Zustand versetzt. Das hat unendlich viele Arbeitsstunden, riesiges Engagement, hohe technische Fähigkeiten und wirkliche Hingabe erfordert, – außerdem hat es beträchtliche Mittel verbraucht.

 

  Das Konzept dieses Schiffes ist völlig anders als das der bisherigen Rettungsschiffe Sea-Eye, Seefuchs und Professor Penck. Ich selbst war inzwischen ungeheuer skeptisch geworden, ob die bisherige Rettung in Zukunft überhaupt noch möglich, und damit sinnvoll sein werde. Wir hatten inzwischen gelernt, dass die EU weder willens noch in der Lage ist, das Thema Ertrinkungstod im Mittelmeer überhaupt anzugehen. Wir haben daher ein neues Konzept erarbeitet. Dieses neue Schiff, die Bavaria one sollte nicht im klassischen Sinn retten, also keine Flüchtlinge mehr an Bord nehmen, das war wegen der Größe des Schiffes ohnehin unmöglich. Das Schiff sollte als private Segelyacht unter deutscher Flagge beobachten, notfalls Erste Hilfe leisten und dokumentieren, was vor der libyschen Küste geschieht. Es sollte diese Dokumentation der gesamten Welt zur Verfügung stellen um endlich das achselzuckende Desinteresse der europäischen Völker zu durchbrechen.

 

 Das BSH in Hamburg hat uns dann jedoch mitgeteilt,  dass das Schiff im Besitz der Rettungsorganisation Sea-Eye den gleichen, für uns unerfüllbaren Kriterien unterliege, die für ein Rettungsschiff gelten. Wir konnten also dieses Schiff unter diesen Bedingungen nicht einsetzen. Über die Verwendung des Schiffes kam es dann im Vorstand zu unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten, sowohl was die Strategie aber auch die Finanzierung betrifft, was letztlich zur Beendigung meiner Vorstandstätigkeit im Februar 2019 geführt hat. Ich habe dann gleichzeitig meine Funktion als Verantwortlicher für die Finanzen und für die Medizin niedergelegt.

 

  Nach meiner Meinung sollten die unendlich vielen Arbeitsstunden, das viele Geld für die Einrichtung und Ausrüstung, aber auch das gesamte Engagement der beteiligten Ehrenamtlichen nicht verloren gehen. Zumal völlig absehbar war, dass konventionelle Rettung in Zukunft nicht mehr möglich sein würde, alle Rettungsschiffe waren aus dem Verkehr gezogen oder Sie konnten ihre Flüchtlinge nur unter riesigem Aufwand und auch nur in kleiner Zahl an Land bringen. Der Bedarf für unser kleines Schiff war also unübersehbar, war sehr unübersehbar groß und konnte durch nichts anderes zu ersetzen. 

 

 Ich habe dann dem Verein mit großer Unterstützung eines äußerst großzügigen Spenders - auf juristischen Umwegen - dieses Schiff als Privatmann abgekauft. Seine Ausstattung wurde mithilfe derer, die schon in Barcelona ehrenamtlich gearbeitet hatten, perfektioniert. Das ist einfach eine tolle, engagierte und technisch hochversierte Mannschaft, das Schiff ist mit allen elektronischen Möglichkeiten für die Überwachung der Rettungszone vor der libyschen Küste ausgestattet. Eswird eine Drohne zur Erweiterung des Aktionsradios haben, ein kleines Tragflächenflugzeug ist in Arbeit, dass die Uni Augsburg für uns konstruiert und uns zur Verfügung stellt  Die laufenden Kosten der Josefa sind durch den geringen Treibstoffverbrauch als Segler sehr überschaubar.

 

 Ich bin jetzt also der Eigner dieses Schiffes, habe eine gemeinnützige UG gegründet, um das wirtschaftliche Risiko einigermaßen zu begrenzen. Der Kaufpreis muss als verloren angesehen werden. Es ist also eine private Segelyacht unter deutscher Flagge mit einem deutschen Eigner, das macht es vermutlich schwerer angreifbar, selbst für einen Innenminister Salvini. Wir haben dem Schiff den Namen Josefa gegeben, im Andenken an eine Flüchtlingsfrau die mit ihrem Kind in Seenot von der Libysche Coastgard auf dem Meer zurückgelassen wurde, weil sie sich weigerte, zurück nach Libyen gebracht zu werden. Sie wurde in letzter Sekunde gerettet.

 

Das Schiff wird einer befreundeten NGO, SESQSHIP e.V-. zur Verfügung gestellt, diese übernimmt die gesamte Organisation, das Crewing und ersetzt die laufenden Kosten, soweit möglich. Das ganze Projekt Josefa ist ein wirklicher Plan B, um der absehbaren definitiven Verhinderung der Seenotrettung durch NGOs zu entkommen. Die EU Organisation Sofia ist aus der Rettung ausgeschieden, die sogenannte Libysche Costgard in den eigen Bürgerkrieg verstrickt und kann noch nicht einmal ihre Schiffe bewegen.

 

 Wir bleiben die einzigen Europäer vor Ort!